Warum „Game of Thrones“ spannender Stoff für den Geschichtsunterricht an Oberschulen ist!

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Vielleicht schlagen wir dem Herrn Professor mal eine Erweiterung des Lehrplans vor.

Vielleicht wart ja auch Ihr ein wenig enttäuscht, über das Ende und die Achte Staffel von „Game of Thrones“, der Fernsehserie, die ihren Ursprung in der Fantasy-Buch-Reihe „A Song of Ice and Fire“, von George R.R. Martin hat. Vielleicht habt ihr auch noch nichts von all dem gehört, denn gerade auch dann bieten die historischen Vorbilder der Geschichte und die Suche danach, einen herlichen Stoff für den Geschichtsunterricht. Oder auch einfach, weil es Spaß macht. Passiert ja schon mal.

Angefangen beim eigentlichen Kern der Sache, der Auseinandersetzung des Menschen mit der Zeit, der Veränderung, dem „Wetter“ und den, durch nationale Abspaltung, geschaffenen Konflikten, bietet allein schon die Serie eine Vielzahl von geschichtlich bekannten Parallelen. Denn wie der Autor selbst sagt, hat ihn vor allem die Englische Geschichte, vom 5 Jahrhundert bis ins tiefe Mittelalter, interessiert und inspiriert.

Wer sich England auf der Landkarte anschaut, kommt an der Ähnlichkeit zu „Westeros“ nicht vorbei. Überhaupt ist das Land/der Kontinent Westeros, dessen Teilung in sieben Königreiche und der Kampf um die jeweiligen Throne, der Hauptbestandteil der Serie. Die im Grunde nur einen kleinen Teil der gesamten Geschichte beschreibt, die Martin geschaffen hat.

Und vielleicht habt ihr das Thema „England“ auch schon mal im Unterricht gehabt, aber eben nur als trockene Info an der Tafel, die es auswendig zu lernen galt. Mit einigen Ausschnitten aus der Serie (natürlich altersgemäß angemessen), wären die entsprechenden, historisch-realen, Personen sicher etwas spannender anzuschauen. Und nicht nur die Personen.

Als Allererstes ist da die Mauer. In den Büchern und der Serie eine riesige Mauer aus Eis (und Magie), bekam George R.R. Martin, nach eigenen Aussagen, die Idee dafür, als er 1981 einen Ausflug nach Schottland machte. Bei Sonnenuntergang stand er auf den Resten des „Hadrianswalls“. Der „Mauer“, die der römischen Kaiser Hadrian im 2. Jahrhundert n. Chr., nicht aus Eis, sondern weitestgehend aus Holz und etwas Stein, errichten ließ, um „sein Reich“ vor den „Wilden“, also den Stämmen der Pikten, aus dem Norden zu schützen. Es war sozusagen die Grenze zu Schottland. An der engsten Stelle auf der Karte, von Küste zu Küste gezogen, stellte dieser Wall damals das „Ende der zivilisierten Welt“ dar. Jedenfalls für die, welche sich für zivilisiert hielten. Und G.R.R. Martin stellte sich vor, wie ein römischer Soldat in dieser Zeit, nach Norden schaute und darüber nachdachte, was dort wohl alles Geheimnisvolles auf ihn warten mochte.

Denn das Meiste, was man von den „unzivilisierten Barbaren“ wusste, war durch Legenden und düstere Geschichten von Riesen, Monstern und untoten Wesen noch geheimnisvoller geworden, als es so schon war. So ähnlich wie ein Jahrtausend später die Ureinwohner Amerikas, gemeinhin „Indianer“ genannt, wurden die naturverbundende Lebensweise und die rituellen Handlungen der Ureinwohner als bedrohlich empfunden, bzw., war dem Eroberungsdrang erst der Römer und dann der „Christen“, mit der Zeit nichts mehr entgegenzusetzen.

Doch wie ihr vielleicht wisst, sind die Römer dann auch nie wirklich weiter vorgedrungen, als es die „Nachtwache“ am „Ende von Westeros“ tat. Und genau wie die Nachtwache, war auch die römische Legion am Hadrianswall irgendwann bis auf einen „kläglichen Haufen“ zusammengschrumft, bis sich die Römer ganz wieder aus Brittannien zurückzogen und die Angelsachsen, die Wikinger und andere Völker die Insel eroberten und den alten Glauben fast ausrotteten. Und ob man Rom mit Valyria, die Angelsachsen mit den Andalen und die Dothraki mit den Tartaren vergleichen kann, ist genau das, was die Sache so spannend macht. Und da wir ja hier auch nicht zu viel vorweg nehmen wollen, sind das natürlich nur wenige Beispiele von Vielen.

Für uns auch immer sehr interessant, wie wenig sich die Menschen seit dem Mittelalter verändert haben, wenn es darum geht bestimmte Bevölkerungsgruppen, als nicht „Menschenwürdig“, oder einfach als niedriger als sich selbst anzusehen, zu verfolgen, zu versklaven und letztlich zu töten. Und auch der Hang zu allerlei Aberglauben hat sich tapfer gehalten, ob man nun die großen Weltreligionen dazu zählt, oder nicht.

Doch weiter mit der Historie von Britannien und Westeros. Zwischen 1455 und 1485 gab es in England die sogenannten „Rosenkriege“, zwischen den großen Familien der Lancaster und der York. Ein Schelm wer dabei an „Lennister“ und „Stark“ denkt.

Und tatsächlich soll in diesen Jahren der amtierende König, Heinrich VI, dem Wahnsinn verfallen sein. Protektor des Königs, also seine „Hand“, war damals ein York, dessen Familie die Geschicke des Reiches lenken wollte, denen aber die Königin entgegenstand, die lieber ihren Sohn auf dem Thron und sich selbst an der Macht gesehen hätte. Natürlich ging auch das Gerücht um, der Sohn wäre aus einer Affäre der Königin entstanden und ähnliches „Gerede“, welches die Gemüter noch mehr anfachte und schließlich einen Bürgerkrieg zur Folge hatte. Zwischen der weißen und der schwarzen Rose. Der Familie Lancaster und York.

Wer GoT kennt, wird jetzt vielleicht sagen: „Aber die Rosen gehörten doch zu einer anderen Familie!“. Genau, den „Tyrells“ und hier ist es vor allem die junge Königin Margery, die auffallende Paralellen zu der Geschichte von Anne Boleyn aufweist, einer der (hingerichteten) Frauen Heinrichs VIII, den man wahrscheinlich schon eher kennt. Auch Anne Boleyn übte, unterstützt von ihrer Familie, entscheidenden Einfluss auf den König und die Politik im Land aus. Da Politik damals untrennbar mit der Religion verbunden war, nicht so wie heute, wo man nur so tut als wäre sie es nicht, hatte dieser Einfluss zur Folge, dass der König mit der römisch-katholischen Kirche brach und dem Papst sozusagen den…, sagen wir, kalten Rücken zeigte. Was zu dieser Zeit mehr als ein politischer Umbruch war, hatte die (kath.) Kirche doch seit vielen Jahrhunderten das Monopol auf den Glauben und dessen Ausübung, in Mitteleuropa. Zumindest tat sie alles dafür.

In der Serie könnte man das wohl am Besten mit dem Auftauchen der „Spatzen“ in Kingslanding (Königsmund) vergleichen. Im Grunde gleichen Glaubens, spaltete sich hier eine „eher radikale“ Gruppe vom vorherrschenden Umgang mit der Religion ab und kümmerte sich vor allem um das einfache Volk, während die Aristokraten, die dies erst als „Waffe“ einsetzen wollten, sich damit „selbst ins Knie“ schossen. In der Art …

Denn das ist ja das Spannende, die Zusammenhänge und Parallelen selbst zu finden, wozu heute ein, zwei Klicks im Internet fast genügen. Denn da ist ja zum Beispiel noch der vergessene, vertriebene Thronerbe, um wieder zurück zur Famile York zu kommen. Der mit seiner Familie nach Frankreich geflohene „Henry Tudor“. Der war auch erst 14 Jahre alt, als man ihn zur „Speerspitze“, der Wiedereroberung des englischen Throns machen wollte, so wie …, ihr wisst es sicher schon.

Und wer es dann nochmal so richtig spannend haben will, allerdings auch mehr als blutig, (also Achtung bei schwachen Herzen), der sollte mal einen Blick auf das „Schwarze Dinner“ von 1440 und „Das Massaker von Glencoe“ 1692 werfen und beide Ereignisse mit der „Roten Hochzeit“ vergleichen. Das damals die Familie „Mc Donalds“ nicht ganz ausgerottet wurde, können wir heute an jeder dritter Straßenecke sehen, um die Sache mit etwas Humor zu betrachten. Wie gesagt, wir wollen nicht zuviel verraten.

Und um das Ganze zum Ende noch mal brandaktuell zu machen, soll es zwischen 950- 1250 n.Chr. einen intensiven Klimawandel in Europa gegeben haben, bei dem nach einer langen Wärmephase ein extremer Kälteeinbruch folgte, eine „kleine Eiszeit“, bei der viele Menschen starben. George R.R. Martin stellte selbst den Zusammenhang zwischen seiner „Langen Nacht“, also einem jahrelangen, harten Winter und den momentanen Klimaveränderungen her.

Kurz und Klein: Ob im Unterricht, aus reiner Freude, oder als Lehrer der Unterricht vorbereitet. Sich anzuschauen wie ein Fantasy Autor, mit einer Geschichte die erstmal nur nach Phantasie aussieht, nicht nur auf die schon ewig herrschenden Mißstände zwischenmenschlichen Verhaltens, sondern auch gleich auf den globalen Wandel der Zeit und damit auch des Klimas hinweist, machte uns die sowieso schon einzigartige Serie, nochmal um einiges interessanter.

Vielleicht geht es Euch ja ähnlich. Und wenn nich´, kann man wenigstens damit angeben …;)

Viel Spaß und liebe Grüße,

euer BRA