Und was mache ich stattdessen …? (2) – Bewegung und Entspannung

Fragen und Antworten Und sonst so ... Und was mache ich stattdessen...?

Wie wir in Teil (1) schon feststellten, ist oft nicht die anfängliche Bereitschaft und der sogenannte Wille zur Veränderung das größte Hindernis für Menschen in extremen Lebenssituationen, sondern die notwendige Mischung aus Geduld und Aufmerksamkeit über einen längeren Zeitraum. Ideen sind meistens zahlreich vorhanden und auch Angebote, doch wie schaffe ich es, das für mich „Richtige“ aus dieser Vielfalt herauszufinden?

Tatsächlich geht das nur durch Ausprobieren, weil man nur so wirklich für sich selbst erfahren kann, ob man sich wohlfühlt, also ob die aufgebrachte Anstrengung mir wirklich hilft, die derzeitige Situation weiter zu verbessern.

Wer nur etwas tut, weil nichts anderes da ist, bzw. darauf wartet, dass andere etwas anbieten oder sogar nur, um anderen etwas zu beweisen, wird sich schnell überfordern, sich gar „zwingen es zu schaffen“ und so gleich wieder Frustration und schlimmstenfalls Resignation erleben.

Es gilt also nicht nur etwas zu finden, was mir Freude bereitet, sondern dann jederzeit eine angemessene Mischung aus Anspannung (Sport, Fitness, Denken! usw…) und Entspannung (Pause, Ruhe, Nicht-Nachdenken usw…) für sich zu erarbeiten. Verlasse ich mich dabei ausschließlich auf den „Guten Rat“ des Therapeuten, Sozialarbeiters, des Lehrers oder des guten Freundes und beobachte mich nicht absolut aufmerksam selbst, werde ich fast immer nur das tun, was andere für Richtig halten und selten was Jetzt für mich wichtig ist. Leider haben wir dies, also wirklich selbst zu entscheiden, durch unsere Erziehung und dem ständigen Eindringen von Informationen und Verhaltensregeln von außen, fast gänzlich verlernt.

Doch nur ich selbst kann tatsächlich einschätzen, wann ich über eine Erschöpfung hinaus gehe und ob ich bei dem was ich tue wieder in alte, destruktive Strukturen falle, z. B. etwas unbedingt schaffen zu wollen, aber bei dem Versuch zu scheitern. Denn genau dieses Scheitern ist dann oft Anlass dafür, mir selbst wieder zu erklären, warum ich es sowieso nicht schaffe. Warum alles wieder schlecht ist und der ganze Aufwand sich ja doch nicht lohnt.

Können wir erkennen, dass es ganz oft im Leben, nicht nur für Drogenkonsumenten, das „Nicht-Erreichen“ eines von außen gesteckten Zieles ist, welches uns den „Glauben“ an uns selbst verlieren lässt? Und das es gar nicht notwendig wäre, sich solchen emotionalen Stress zu schaffen, wenn wir von vornherein darauf hören würden, was uns unser Körper, also unser Erleben sagt? Und ist es möglich die Verantwortung für eine Entscheidung selbst zu tragen, auch wenn dabei ein gestecktes Ziel in Gefahr gerät, ohne einen solch emotionalen Stress?

Und noch wichtiger: Wo nehmen wir in solchen Augenblicken das Selbstbewusstsein her, den vermeintlichen Helfer oder das Konzept infrage zu stellen?

Wie wir eingangs schon sagten, ist die Suche nach geeigneten Aktivitäten zur sinnvollen Alltagsgestaltung, ein Ausprobieren, also aktives Anschauen, z.B. indem man eine kostenlose Probestunde in einer Sportschule, o.ä. nimmt. Gerade in den ersten Wochen ist es besonders sinnvoll, dabei jemanden an seiner Seite zu haben. Ob dies nun ein Mensch aus dem Freundeskreis ist, der meine Geschichte gut kennt oder ein Sozialarbeiter/ehrenamtlicher Helfer, ist dabei nicht wichtig, solange diese Person mich nicht mit dem manipuliert, was sie für richtig hält, sondern einfach eine Unterstützung, ein zweites Paar Augen und eine (liebevolle) Sicherheit ist, die zur Stelle ist, wenn es notwendig ist. Jeder einzelne Schritt, den wir in solch eigener Verantwortung gehen, wird ganz natürlich ein wenig mehr, „neues Selbstbewusstsein“ erschaffen. Nicht weil man stolz darauf sein kann alltägliche Dinge allein zu bewältigen, sondern weil man sich der möglichen Niederlage selbst gestellt hat und selbst erlebt hat, wie man ohne Rückschritt (Konsum, große Angst usw.) damit umgehen kann.

Es scheint also sehr deutlich zu sein, das nicht die Art der Beschäftigung das Entscheidende ist, sondern die Art, wie wir selbst die Verantwortung über unser Handeln übernehmen.

Natürlich können auch wir hier nur Vorschläge machen, doch haben wir diese dann auch selbst ausprobiert. Dabei haben wir schon vor vielen Jahren eine Form der Bewegung, des Trainings gefunden, die den ganzen Körper in Form bringt, aber dabei kaum körperliche (Über) Anstrengung erfordert. Nämlich Qi Gong (Chi Kung, Ki Gong …)

Leider wird diese Form der „Gesundheitsgymnastik“ mit allerlei esoterischem „Humbug“ in einen Topf geworfen. Deshalb zum Thema Esoterik ein kurzes Wort, unten im grauen Kasten.

Auch wenn die Bewegungen des Qi Gong denen von Kampfkunst Arten wie Tai-Chi oder eben Kung-Fu sehr ähnlich sind und auch zusammen trainiert und angeboten werden, hat Qi Gong nur sehr mittelbar mit Kampfkunst zu tun. Es ist schlicht eine sehr sinnvolle Gymnastik, die über die Aufmerksamkeit und das Leiten unseres Atems in Verbindung mit bestimmter Bewegung funktioniert. (Das Wort sinnvoll benutzen wir hier, weil eine „normale“ Krankengymnastik“, bei der sich angeregt über die letzte Ausgabe des „Dschungelcamps“ ausgetauscht wird, weniger gesundheitsförderlich ist)

Die Grundlagen einer Qi Gong Technik, die von unterschiedlichen Stilen ausgehen, kann man relativ schnell durch einen Kurs erlernen oder durch eine Person, die sich gut damit auskennt. Anleitungen und Videos zum weiteren, täglichen Training zu Hause gibt es im Internet kostenlos in großer Breite. Da es sich bei den Übungen immer um spezifische Bewegungen handelt, die bestimmte Körperregionen oder Organe ansprechen, empfiehlt es sich diese Grundlagen erst einmal verstanden zu haben und „richtig“ ausführen zu können.

Wobei auch hier „richtig“ wieder nur das „Richtig“ der jeweiligen Lehrer ist und ich deshalb dann herausfinden kann und muss, wie mein eigener Körper die Bewegungen ausführt. Die besten Lehrer sind eben immer die, die einem zeigen, wie man es selber lernt zu lernen.

Konkret: Wenn ich aufgrund einer früheren Verletzung oder meiner momentanen Konstitution Bewegungen mache, die Schmerzen bereiten oder extremes Unwohlsein, Schwindel usw., dann ist das eher kontraproduktiv, genauso wie das Üben im Freien bei Gewitter oder extremer Hitze. Dies gilt in unserem Beispiel, im Besonderen für die Knie!

Habe ich also erst einmal verstanden, wie das Zusammenspiel von Atmen und bestimmten körperlichen Bewegungen funktioniert, kann ich mir die für mich am besten geeignete Bewegungsform, im täglichen Üben erarbeiten und zusammenstellen, auch ohne dafür jahrelang eine Schule besuchen zu müssen und Geld dafür auszugeben. (Bitte nicht damit verwechseln, einfach alles so zu machen, wie Ich es mir denke!) die Voraussetzung, alleine zu Hause arbeiten zu können, sollte bitte immer erst geschaffen sein.

Wir haben Euch hier zwei Beispiele aus verschiedenen Regionen Chinas heraus gesucht. Eine Kurze (Wu Xing Form) die etwa 7 Minuten Zeit erfordert und gut für den Morgen und den Tagesbeginn geeignet ist. Und eine längere (Shibashi Form), für die man schon insgesamt ein Stündchen Ruhe braucht. Es spricht nichts dagegen, ob mit oder ohne Kopfhörer, das Ganze mit etwas ruhiger, entspannender Musik zu begleiten. Solange diese nicht ablenkt. Bitte achtet, besonders am Anfang, darauf nichts erzwingen zu wollen, oder die Übung gleich am ersten Tag perfekt können zu „müssen“. Qi Gong wird nicht nur im langsamen Atemrhythmus ausgeführt, sondern ist auch sonst eine eher ruhigere und geduldige Angelegenheit. Das körperliche Wohlbefinden stellt sich nach ein paar Tagen regelmäßigen Übens von ganz allein ein.

Für den kraftvollen Morgen. Meister Liu De Ming
Und eine sehr schöne Interpretation von der Stuttgarter Tai-Chi Akademie. Gleich am Anfang sieht man hier deutlich den unterschiedlichen Umgang mit der Bewegung, die aber letztlich das gleiche Ziel hat.

Wo es Kurse und Schulen oder Gruppen in euer Stadt gibt, findet ihr in jedem guten Internet.

Das Problem mit der Esoterik

Das Wort „Esoterik“ stammt vom dem alt- griechischen Ausdruck esōterikós‚ innerlich‘ ab. In seiner ursprünglichen Bedeutung wurde es benutzt, um einen bestimmten, begrenzten Personenkreis, zu beschreiben, der einer besonderen, eigenen philosophischen Lehre anhing. Also einige Menschen, die ein nur ihnen zugängliches Wissen teilten. Nicht mehr und nicht weniger. Vor allem hat es im ursprünglichen Sinne erstmal nicht das Geringste mit Heilung oder irgendeinem medizinischen Kult, einer mystischen Handlung zu tun. Was heutzutage alles mit „esoterisch“ beschrieben wird, hat zum größten Teil mit Missbrauch von Halb-Wissen und selbst erfundenem oder dazu gedichtetem, „Verzeihung: Quatsch“ zu tun, mit dem selbsternannte Heiler, Schamanen und Gurus jede Menge Geld verdienen. Angefangen von all den erfundenen Systemen der sogenannten Meditation, bis hin zu tatsächlichen körperlichen Eingriffen oder psychologischen Manipulationen. Leider geht das immer zulasten all derer, die wirklich helfen könnten und vor allem den Menschen, die Hilfe suchen. Sein vielleicht erspartes Geld in eine Hoffnung zu investieren und dann nicht nur den Misserfolg, sondern auch noch die Demütigung erleben zu müssen belogen worden zu sein, hat eine besondere, destruktive Qualität, die Menschen in Krisensituationen auch ganz besonders belasten kann.

Ein ganz konkretes Beispiel, das wir mit einer monatlichen Studie im eigenen Haus, ab nächsten Dienstag, genau anschauen wollen, ist die „Polyneuropathie“, bzw. die sogenannte autonome Polyneuropathie.

Viele Alkohol- und Drogenkonsumenten, aber auch Diabetiker kennen diese Krankheit schon lange und sind chronisch davon betroffen. Bis jetzt ist dem medizinisch nicht beizukommen und wir haben sogar Ärzte erlebt, die sich weigern Patienten mit Neuropathie überhaupt zu behandeln. Wer hier durch ein vermeintliches „Wundermittel“ Hoffnung schöpft, dieses wirklich extrem belastende Übel loswerden zu können und dann einen solch doppelten Rückschlag erlebt, erlaubt sich in dieser Wut, Enttäuschung und Hilflosigkeit manchmal Dinge, von denen man sehr genau weiß, wie schädlich sie sind. Und wir machen immer öfter die Erfahrung, eine Enttäuschung gar nicht erst erleben zu müssen, weil man sich vorher ausreichend informiert hat, ist weitaus einfacher, als andersherum:)

euer

bra