Cannabis (2) – Wirkung und Gefahren

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Grundsätzlich kann wohl (fast) jede Substanz, die ich regelmäßig, also täglich (mehrmals) zum Zweck einer sogenannten „Bewusstseinsveränderung“ oder zur Behandlung von z.B. Schmerzen einnehme zu einer Gewöhnung, sowohl körperlicher, als auch psychischer Art führen, die dann in manchen Fällen in eine Abhängigkeitserkrankung münden kann. Hat man sich körperlich erst einmal an eine solche Substanz gewöhnt und setzt diese dann abrupt ab, können extrem quälende Entzugssymptome entstehen. Dabei sind Dauer der Symptome und Intensität von verschiedensten Faktoren abhängig und von Substanz zu Substanz unterschiedlich.

Einem großen Fehler, dem wir oft unterliegen, wenn wir die Wirkung von Cannabis an uns selbst, oder z. B. bei unseren Kindern, beurteilen ist, dass fast alle Cannabis-Raucher das „Gras“, „Haschisch“ mit Tabak mischen. Was dann als „Wirkung“ wahrgenommen wird, ist dadurch nicht mit der Wirkung von „pur“, also ohne jeden Zusatz konsumiertem Cannabis zu vergleichen und wird durch die Beimengung von Streckmitteln, auf dem Schwarzmarkt, noch zusätzlich „verfälscht“.

Mit der möglichen extremen Gesundheitsschädigung durch Tabak und Streckmitteln, deren Herkunft oft völlig unbekannt ist, brauchen wir uns hier nicht mehr auseinander zu setzen. Die ist natürlich vorhanden und gefährdend.

Bedenken wir aber zunächst, dass wir noch nicht eine einzige Erhebung oder wissenschaftliche Arbeit gefunden haben, die den Umstand der Beimengung von Tabak und Streckmitteln wirklich mit einbezieht, wenn es um die Frage der Gefährdung und Abhängigkeitsgefahren geht. Tatsächlich wissen sehr viele Jugendliche und auch Erwachsene gar nicht, welchen Einfluss Tabak beim „Misch-Konsum“ mit anderen Substanzen hat oder das es überhaupt einen gibt. Fast 90 % aller Cannabis-Konsumenten, die wir bis heute persönlich befragt haben, rauchen oder konsumieren Cannabis nicht pur, also ausschließlich, sondern in einer Mischung mit Tabak oder Tabak ähnlichen Produkten. Besonders „Erst-Konsumenten“, können so gar nicht die tatsächliche Wirkung beurteilen. Natürlich sind diese Zahlen nicht repräsentativ, da nur unsere Beobachtung.

Die oft beschriebene Erschöpfung, Lustlosigkeit oder gar Lethargie, das unmäßig schwindelige Gefühl im Kopf und das damit verbundene Unwohlsein, kommt also oft nicht vom Cannabis! Wobei eine Veränderung, also eine Wirkung durch Cannabis, je nach Cannabinoid Gehalt, natürlich dennoch sehr stark, bzw. extrem fremd und sogar beängstigend sein kann.

Fakt ist auch, einige Wirkstoffe im Cannabis legen sich für lange Zeit in unserem Fettgewebe fest, überall im Körper, also auch im Gehirn. Um es sehr einfach zu sagen: Durch diese Ablagerungen, die den Elektronen-Austausch zwischen den Synapsen im Gehirn verlangsamen, weil ihr Weg schlicht länger wird, fühlen wir uns „langsamer“, „abgedämpfter“. Doch ist die eigentliche Wirkung hierbei die größere, erweiterte Aufmerksamkeit, die wir dem augenblicklichen Geschehen widmen. Was gerne „bewusstseinserweiternd“ genannt wird, ist also tatsächlich eine chemische Reaktion, die uns zu einer anderen Wahrnehmung führt. Erweitert haben wir damit in unserem „Bewusstsein“ noch lange nichts.

Das diese Wirkung auch nur bei sogenannten „weiblichen Blüten“ vorkommt und dann auch noch abhängig von der Sorte und dem Gehalt der Inhaltsstoffe des Cannabis (auch die Cannabinoide) ist, wird recht selten erwähnt. Und das es durch die Illegalität, auf dem „Schwarzmarkt“ fast immer zur „Verstreckung“, also zur Beimengung von Stoffen kommt, um das Gewicht zu erhöhen und größeren Gewinn zu erzielen, wird zwar wahrgenommen, aber in der Diskussion, besonders mit Jugendlichen oft einfach ausgeklammert.

So ist also auch Fakt: Recht wenig Konsumenten konsumieren wirklich „nur“ Cannabis, wenn sie Cannabis konsumieren. Dies macht eine präventive Aufklärung, besonders für junge Menschen, sehr schwer.

Als zweites Problem kommt hinzu, was wir in Teil 1 schon ausführlicher, auch mithilfe des ZDFinfo Videos untersucht haben. Nämlich das man bei einer Cannabis-Legalisierung-Debatte auch immer unterscheiden muss, zwischen vor „Anslinger“ und danach, bzw. vor und nach dem Verbot von Hanf, auch als „Lebensmittel“. Denn wie wir jetzt wissen, ist die berauschende Wirkung von Cannabis nur bei den „weiblichen Blüten“ zu finden und hier je Züchtung/Sorte noch sehr unterschiedlich, nicht nur gemessen am Cannabinoid Gehalt. Wie wir heute am Gras aus der Apotheke, also an med. verordnetem Cannabis sehen, kann man die Stärke dieser Wirkungen also absolut regulieren.

Ganz davon abgesehen, wissen wir inzwischen sehr genau, wie medizinisches Cannabis, also ohne Streckmittel oder chemische Zusätze, auf die verschiedensten Krankheiten positiv einwirken kann. Die Frage nach der Abhängigkeit und Gefährlichkeit also ausschließlich von der „Drogenmissbrauchs-Seite“ anzugehen und sich dabei nur auf die Presse oder eine allgemeine Meinung zu verlassen, kann zu keinem klaren Bild führen!

Wie kann ich also, ob als konsumierender, erziehungsberechtigter oder einfach helfender Mensch ein klares Bild vom tatsächlichen Gefahrenpotenzial bekommen und wie kann ich wirklich verantwortungsvoll mit einer Substanz umgehen oder es eben nicht tun, weil mir die umfassende Information die eigenen Potenziale und Grenzen vor Augen geführt hat?

Wie bei vielen sogenannten Abhängigkeitsproblemen stellt sich als Erstes immer die Frage: „Ist es tatsächlich eine psychologische „Zwangshandlung“, was ich da mache oder vielleicht nur eine „aus der Kindheit übriggebliebene, neurotisch bedingte schlechte Angewohnheit„? Also was will ich mit der Aus-Wirkung erreichen oder verdrängen und welche Rolle spielt die Substanz dabei? Oder ist mein Konsum eher „spontan“ und geschieht von Zeit zu Zeit aus der Situation heraus? Ist also eine psychologische Behandlung tatsächlich und grundsätzlich notwendig? Oder ist die Suche nach einer Ursache in früherer Zeit, zur Lösung der momentanen Situation, vielleicht sogar kontraindiziert, also eher hinderlich bei einer Veränderung? Eine solche Entscheidung sollte nicht einfach aufgrund von „Hören Sagen“ gefällt werden, da sich hier oft eine jahrelange medizinische Behandlung, evtl. mit Psychopharmaka anschließen kann, die nur falschen Informationen und fehlender Eigenverantwortung entsprungen ist und manchmal sogar alles noch viel schlimmer machen kann. Bitte entscheidet dies in höchster Ernsthaftigkeit und nicht ohne absolut kompetente Beratung und Unterstützung! Dem hier Geschriebenen zuzustimmen oder es abzulehnen, reicht ganz sicher nicht aus.

Bei unregelmäßigem Konsum, der aus der Situation heraus, nicht geplant vorkommt, scheint jedenfalls die Frage der Abhängigkeit selten aufzukommen. Was ist es also, was mich eine Substanz konsumieren lässt? Und sind es (schon) körperliche Entzugssymptome, die mich zum Konsum drängen oder sogar zwingen? Ist es wirklich die Substanz, ohne die ich „nicht mehr leben“ kann? Oder ist es vor allem das Verlangen nach dem erlösenden Gefühl, das ich kenne und durch die Substanz zu bekommen hoffe?

Und wie wir an unserem Beispiel oben – dem Tabak -, fragen müssen: Ziehen wir wirklich alle Faktoren, die dabei eine Rolle spielen in Betracht?

Reicht es also aus meinem Kind zu sagen: „Du darfst keine Drogen nehmen, weil es gefährlich ist!“? Oder wird nicht jeder (junge) Mensch dadurch nicht noch neugieriger auf das was da „sein soll“. Wir jedenfalls können beim besten Willen nicht sagen, wie wir etwas erklären sollten, ohne es zu erklären.

Wer sich hier noch einmal über den medizinischen Nutzen von Cannabis informieren will, hat mit dem Link eine Auswahl.

Wer also wirklich wissen will, ob Cannabis gefährlich ist und ob ich davon abhängig werden könnte, dem bleibt nichts anderes, als es anzuschauen. (Nicht zu konsumieren! Das ist nochmal etwas ganz Anderes)

Bei Menschen die schon vor dem Konsum psychische Probleme oder Erkrankungen hatten, ist die Gefahr einer Folge-Symptomatik, vor allem durch die unbekannte Wirkung bei Erstkonsum natürlich immer gegeben. Wir selbst haben allerdings noch keinen Fall von Entwicklung einer Psychose oder einer paranoiden Angststörung durch ausschließlich Cannabiskonsum, erlebt. Und selbst bei Berichten von Kollegen, gab es immer Begleiterkrankungen, Vorerkrankungen oder psychische Störungen im Vorfeld des Konsums. Doch besonders auch das ist kein Grund völlig auszuschließen, dass etwas Derartiges passieren könnte.

Hier liegt vielleicht das allergrößte Problem, wenn wir Cannabis mit Opiaten, Alkohol, „Partydrogen“ oder Medikamenten vergleichen. Nicht nur, dass sich die Wirkungsweisen völlig unterscheiden, sind vor allem die Langzeitauswirkungen in ihrer Komplexität überhaupt nicht zu vergleichen. Und obwohl z.B. Heroin teilweise katastrophale, gesundheitliche Auswirkungen haben kann, ist es in 3-10 Tagen aus dem Körper verschwunden, also „entzogen“. Zumindest was den reinen Wirkstoff, das Opiat betrifft.

Cannabis bleibt, aufgrund seiner extrem langen Halbwertzeit von etwa 6 Monaten, solange auch in unserem Fettgewebe „kleben“, das die Entwöhnung, ähnlich wie beim Tabak, mehrere Wochen dauert und die Entzugssymptome, die nach einigen Tagen schon nachgelassen hatten, oft erst auch nach dieser Zeit nochmal „störend“ wahrgenommen werden.

Um die Frage, ob Cannabis eine sogenannte Einstiegsdroge ist oder sein kann anzuschauen, muss ich ein wenig aus der Vergangenheit schöpfen. In der Oberschule verlor ich einen Klassenkameraden durch eine Überdosis Medikamente/Heroin. Er hatte vorher noch nie Alkohol oder Cannabis angerührt. Als ich selbst, mit 21 Jahren, nach einem schweren Unfall auf der Intensivstation lag, bekam ich, ohne mein Wissen, Heroin als Schmerzmittel, weil nichts anderes mehr gewirkt hätte. Bei meiner Entlassung sagte man mir das auch nicht, sondern ich erfuhr es durch meinen Hausarzt. Danach konsumierte ich über 25 Jahre kein Heroin mehr, bis ich wieder durch eine schwere Krankheit dazu kam, weil ich keine andere Lösung mehr sah, meine Beschwerden zu ertragen. Auch hier war die Zeit, in der ich Heroin konsumierte relativ kurz, im Gegensatz zu der, die ich benötigte, um das Substitutionsmittel Polamidon/Methadon wieder zu „entziehen“, also meinen Körper wieder davon zu entwöhnen. Tatsächlich war diese Zeit um etwa ein Jahr länger. Doch zu diesem speziellen Thema noch ein anderes Mal, hier sei nur darauf hingewiesen, dass ein sogenannter Einstieg oder auch Ausstieg immer sehr genau und individuell betrachtet werden muss.

Die Frage kann also in dieser Form nicht beantwortet werden, da es weder empirische Erhebungen dazu gibt, noch sich ein echter Zusammenhang finden lässt, um einen multiplen oder einen Folge-Konsum zu erklären. Und nicht zuletzt, sprechen die verschiedenen Substanzen verschiedene Regionen (Rezeptoren) im Körper und im Gehirn an, sodass man auch die Aus-Wirkungen unterscheiden muss.

Bitte Informiert Euch so gut es möglich ist, bevor Ihr etwas konsumiert, was Ihr nicht kennt. Egal wie alt Ihr seid. Konsumiert etwas zum ersten Mal am besten auch nicht allein, sondern im Beisein von jemandem, der sich besser auskennt. Dieser Mensch sollte Euch natürlich nicht dazu angestiftet oder überredet haben, sondern vielleicht sogar aus der Familie oder dem Bekanntenkreis kommen.

Und ob es vielleicht besser für Euch ist, die Droge, den Alkohol oder die Pillen gar nicht zu konsumieren, solltet Ihr Euch selbst ausnahmslos ehrlich beantworten und auch keine Scheu haben dies vor den Freunden zu äußern. Es ist Euer Körper, Euer Leben und Eure Entscheidung, auch etwas nicht zu tun.

Zuletzt erlaubt mir noch einige sehr persönliche Worte. Ich weiß sehr genau um die Verantwortung, die ich als Vater hatte und habe und vor allem weiß ich, wie viel ich auch falsch gemacht und wo ich mich selbst aus dieser Verantwortung gestohlen habe. Und genau auch deshalb weiß ich, wie wichtig es ist einem Menschen, der aufgrund seines „gesetzlichen“ Alters oder aus anderen Gründen seine Entscheidungen nicht selbst treffen darf, die absolut größtmögliche Information darüber zuteilwerden zu lassen, was genau dort für ihn entschieden wird. So bleibt es zwar meine Verantwortung, doch die Entscheidung treffen wir zusammen. Und wenn ihr euch schon die Mühe gemacht habt, bis hierhin zu lesen, so möchte ich euch nochmal sehr bitten, dem Gelesenen nicht einfach zuzustimmen oder es abzulehnen, sondern eure eigene Entscheidung, durch die bestmögliche Information und eigene Untersuchung der Fragen zu treffen.

In einem dritten Teil der Reihe Cannabis, in einigen Tagen, beschäftigen wir uns nochmal intensiv mit dem, was Hanf eigentlich alles ist und kann, außer Droge und verboten zu sein.

Die nächsten Tage jedoch stehen ganz im Zeichen neuer, großartiger Kooperationspartner, die wir euch mit großer Freude vorstellen wollen.

Läuft bei uns …:)

Herzlichst

euer

bra